Orchideen im Frühjahr "Winter ade - Frühling juchhe", so wie einst Hoffmann von Fallersleben und mit ihm die meisten Bewohner der gemäßigten Zone, empfinden sicherlich alle bei uns kultivierten Orchideen den einsetzenden Lenz als Wohltat. Vorbei mit kurzen Tagen und langen Nächten. Die Sonne gewinnt allmählich an Intensität. Vergleichbar mit den Pflanzen in der Natur, verspüren Orchideen im Frühjahr neuen Schwung. Manche Vertreter der exotischen Gewächse haben gerade ihre kräftezehrende Blühphase hinter sich gebracht. Ihnen sei nun eine erholsame Verschnaufpause gegönnt. Mit behutsamer Pflege fällt ihnen die Regeneration leichter. Frühjahrsputz für Orchideen Sobald die Sonnenstrahlen wieder kraftvoller durch die Fensterscheiben flimmern, tritt in der Wohnung leider so mancher verstaubte Winkel zutage. Der kritische Blick fällt womöglich auf Spinnweben und feine Partikel, die sich auf Oberflächen abgelagert haben, Orchideenblätter inbegriffen. Staub verstopft den Pflanzen die Poren und behindert ihre Atmung. Doch bevor es dem Staub auf den Orchideen im Frühjahr an den Kragen geht, empfiehlt sich der Griff zur Schere. Alle welken Teile sind überflüssig geworden, insbesonders vertrocknete Blütentriebe. Der Schnitt erfolgt weit unten am Ansatz. Ist der Blütentrieb noch grün, kann er bleiben, zumindest der grüne Teil. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit entwickeln sich hier erneut Blüten. Abgestorbenes Laub lässt sich einfach herausziehen. Geben die Blätter nicht nach, dauert es noch einige Tage, bis sie sich leicht lösen. Orchideenlaub niemals mit der Schere entfernen. An den offenenen Wunden könnten Keime eindringen. Den Staub spült eine ausgiebige Dusche weg, idealerweise mit zimmerwarmem Regenwasser aus der Gießkanne. Leitungswasser bekommt den Gewächsen weniger gut und hinterlässt Kalkflecken. Gelegentlich heißt es, Milch und Öl würden den Blättern mehr Glanz verleihen. Das mag sich als richtig erweisen. Weil aber beide Substanzen wiederum die Poren verstopfen, sollte man besser darauf verzichten und lediglich klares Wasser zum Reinigen der Blätter benutzen. Orchideen umtopfen - Gewusst wann und wie! Hat sich eventuell das Substrat schon teilweise zersetzt, weil es länger nicht erneuert wurde? Dann wird es höchste Zeit zum Umtopfen. Zerfallen die Rindenstücke in feine Krümel, verlieren sie ihre drainierende Wirkung. Es kann keine Luft mehr um die Wurzeln zirkulieren. Im günstigsten Fall werden Orchideen im Frühjahr umgetopft. Aber nur, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht in üppiger Blüte befinden. Blätter und Wurzeln wachsen bevorzugt im Vorsommer und entfalten sich in frischem Substrat optimal. To-do-Liste: Orchidee aus dem Topf heben und das alte Substrat komplett beseitigen. Vorsichtig vorgehen, damit die Wurzeln heil bleiben. Vertrocknete und faulig aussehende Wurzeln abkappen. Eine Schicht frisches Substrat in den neuen oder gereinigten Topf füllen. Orchidee hineinsetzen und Rindenstücke seitlich einfügen. Durch leichtes Aufklopfen des Topfes rutscht Substrat in die Zwischenräume. Hellen und warmen Platz ohne direkten Sonneneinfall wählen. Die Orchidee nach dem Umtopfen 2-3 Tage weder gießen, noch tunken. Bis zur nächsten Düngung mindestens vier Wochen verstreichen lassen. Orchideen im Frühjahr gießen und düngen Angepasste Wässerungen runden die Wellnesskur für Orchideen im Frühling ab. Die lauen Tage erhöhen zwar den Wasserbedarf, dennoch verabscheuen die Gewächse einen allzu nassen Stand. Erst wenn die Wurzeln silbrig geworden sind, steht das nächste Gießen oder Tunken an. Um den Nährstoffbedarf zu decken, erhalten Orchideen im Frühjahr Dünger in niedriger Dosierung. Perfektes Ambiente für blühfreudige Orchideen Im Herbst lässt die Intensität der Sonne im Vergleich mit den Hochsommermonaten deutlich nach. Brandverletzungen an den Orchideenblättern sind nun nicht mehr zu befürchten. Trotzdem stellt ein direkt nach Süden ausgerichtetes Fenster keine gute Option dar. Denn nach der Tag-und-Nacht-Gleiche gibt es durchaus noch sonnige Tage. Am wohlsten fühlen sich Orchideen hinter einer Scheibe, durch die Morgen- und Abendstrahlen dringen. Ein Domizil an einem Ost- oder Westfenster eignet sich somit am besten. Auf Helligkeit möchten Orchideen nicht verzichten. Sobald die Außentemperaturen sinken, tritt die Heizung in Aktion, was für gewöhnlich mit einer niedrigeren Raumluftfeuchte einhergeht. Ein Kaminofen trocknet die Raumluft noch stärker aus, insbesondere, wenn es sich um eine raumluftabhängige Feuerstätte handelt. Jeder Verbrennungsvorgang ist auf die Zufuhr von Sauerstoff angewiesen. Entschwindet Luft über den Kamin nach draußen, reduziert sich automatisch die Wasserdampfdichte im Raum. Eine zu trockene Atmosphäre bereitet den einstigen Regenwaldbewohnern Probleme. Insofern nimmt tägliches Einnebeln für Orchideen im Herbst eine essentielle Funktion ein. Alternative: Neben die Pflanzen Wasserbecken aufstellen, damit verdunstetes Wasser zu den Blättern gelangt. Im Herbst richtig wässern und düngen - So geht's: Feuchtigkeitsarme Heizungsluft verursacht rasches Austrocknen des Substrats. Anders als Wüstenpflanzen, die regenlose Perioden leicht wegstecken, verlangen die Schützlinge aus den Tropen nach einem feuchtwarmen Klima. Zur optimalen Wässerung von Orchideen im Herbst bedarf es Fingerspitzengefühl. Einerseits muss der Durst der Gewächse zur Genüge gestillt werden, andererseits verabscheuen Orchideenwurzeln Staunässe. Deshalb stets warten, bis die oberste Substratschicht angetrocknet ist und nach dem Gießen oder Tunken überschüssiges Wasser ablaufen lassen. Düngergaben in zweiwöchigem Rhythmus unterstützen Orchideen bei der Entwicklung von Blütentrieben. Ausnahmen: Orchideen, die im Herbst eine Ruhephase einlegen, benötigen weniger Wasser und keinen Dünger. Dauerblüher beanspruchen das ganze Jahr über hinreichend Nährstoffe und Feuchtigkeit.